Categories: Pfarrbrief
Date: Jan 22, 2010
Title: Pfarrbrief 02 2010
Eine Geschichte erzählt, dass ein Reisezirkus in Dänemark in Brand geraten war. Der Direktor schickte daraufhin den Clown, der schon zur Vorstellung gerüstet war, in das benachbarte Dorf, um Hilfe zu holen, zumal die Gefahr bestand, dass über die abgeernteten, ausgetrockneten Felder das Feuer auch auf das Dorf übergreifen würde. Der Clown eilte in das Dorf und bat die Bewohner, sie möchten eiligst zu dem brennenden Zirkus kommen und löschen helfen. Aber die Dörfler hielten das Geschrei des Clown lediglich ausgezeichneten Werbetrick, um sie möglichst zahlreich in die Vorstellung zu locken; sie applaudierten und lachten bis zu Tränen. Dem Clown war mehr zum Weinen als zum Lachen zumute; er versuchte vergebens, die Menschen zu beschwören, ihnen klarzumachen, dies sei keine Vorstellung, kein Trick, es sei bitterer Ernst, es brenne wirklich. Sein Flehen steigerte nur das Gelächter; man fand, er spiele die Rolle ausgezeichnet - bis schließlich in der Tat das Feuer auf das Dorf übergegriffen hatte und jede Hilfe zu spät kam, so dass Dorf und Zirkus gleichermaßen verbrannten. Harvey Cox, ein amerikanischer Theologe, bezieht diese Geschichte auf die heutige Situation der Kirche. Er sieht in dem Clown, der seine Botschaft gar nicht bis zum wirklichen Gehör bringen kann, z. B. den Prediger am Sonntag. Er wird in seinem „Clowngewand" gar nicht ernst genommen. Die meisten meinen, er spiel Rolle gut. Er kann sagen, was er will, er ist gleichsam etikettiert und eingeordnet durch seine Rolle. Wie sehr er den Ernstfall darzustellen versucht, man weiß immer im Voraus schon, dass er eben ein „Clown" ist. Man weiß schon, worüber er redet, und weiß, dass er nur eine Vorstellung gibt, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat. So kann man ihm getrost zuhören, ohne sich über das, was er sagt, ernstlich beunruhigen zu müssen. Es ist wunderbar, dass es Clowns gibt, die gern im Fasching auftreten. Sie bringen's oft auf den Punkt. Aber bedenklich, wenn jene, die Wichtiges in Kirche und Gesellschaft zu sagen haben, nicht mehr gehört werden. Die Geschichte vom Clown zeigt, dass wir hinter die Maske des Fröhlichen schauen und die Realität in den Blick nehmen sollen. Die Faschingsfreude bringt Farbe in den Alltag, trübt aber nicht den Sinn für Verantwortung und Aufgaben. Der Clown bringt Leichtigkeit ins Leben, sagt das Wesentl die Blume". Das zu hören, möchte ich Ihnen und uns allen wünschen.